Emmerich Koller
Über die Grenzen: Erinnerungen eines Emigranten aus Ungarn.

Zusammenfassung

Rund 200.000 Ungarn flohen 1956 in den Westen. Sie ließen den Großteil ihres Hab und Guts zurück. Unter diesen Flüchtlingen waren auch die Kollers aus Pornóapáti/Pernau mit ihren sieben Kindern, darunter der 14-jährige Emmerich. Mehr als ein halbes Jahrhundert später blickt der Autor zurück auf seine Kindheit und Jugend und zugleich auf eine Zeit, die von Krieg, Umbrüchen und Armut geprägt war.

Liebevoll gewährt er einen Einblick in den Alltag des kleinen Dorfes an der Pinka, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein schien. Es sind schöne Erinnerungen an eine unbeschädigte Landschaft, den Duft von Heu und frischem Brot aus dem Backofen, die Arbeit im Weingarten – aber auch an Ereignisse, die sich tief in das Gedächtnis gruben. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebt er als Kleinkind, als Flüchhtlingsströme gegen Westen zogen, die Rote Armee einmarschierte.

Nur scheinbare Normalität kehrt nach dem Krieg ein. Strenge Lehrer bleiben in Erinnerung, deren Erziehungsmethoden ebenso aus dem vorigen Jahrhundert stammten, wie jene im tief katholischen Elternhaus. Unter den Kommunisten verschwinden die alten Bräuche und Lebensweisen. Die Veränderungen greifen tief in das Dorfleben, die Repression der Stalin-Ära trifft auch die Familie. Als sich die Kollers zur Flucht entschließen, geschieht das überstürzt und begleitet von Angst. Es folgen vier Jahre als Flüchtlinge in Österreich. Wichtige Lebensentscheidungen sind zu treffen. Emmerich tritt in das Missionshaus St. Rupert in Bischofshofen ein und beginnt eine Priesterausbildung. Für die Kollers bietet sich die Möglichkeit in die USA auszuwandern.

Ein neues, unbekanntes Land erwartet sie.

Emmerich Koller erzählt vom Leben und Überleben in einer bewegten Zeit des 20. Jahrhunderts – und berichtet damit auch über ein wichtiges Stück österreichisch-ungarischer Geschichte.

Auszug

Dunkle Wolken

Große Aufregung herrschte im Frühjahr 1945 in Pernau, meinem kleinen Dorf im äußersten Westen Ungarns. Die Front rückte näher, die Russen kommen! Angst und Schrecken machten sich breit, sah man doch in den Russen eine weitere wilde Horde aus Asien – und ihr Ruf stand nicht hinter dem der Vorgänger zurück. Die Hunnen, die Mongolen, die Türken – sie alle waren in den vergangenen Jahrhunderten über das Pinkatal hereingebrochen – und ihre Grausamkeit war bekannt. Würden die Dorfbewohner nun wieder zwischen die Mühlen der Geschichte geraten, oder gab es einen Ausweg? Wie hat sich die einfache, wehrlose Landbevölkerung wohl jeweils auf einen einfallenden Eroberer vorbereitet, von dem man allenthalben nur das Schlimmste hörte? Hoffte man auf einen schnellen, gnädigen Tod, oder versuchte man, sich zu verstecken? Wetzten die Männer ihre Äxte und Sensen, oder starben sie, die Mistgabel in der gereckten Faust zur Verteidigung von Frau und Kindern?

Dass man einmal gute Erfahrungen gemacht hatte mit den Russen, während des ersten Weltkrieges, als Kriegsgefangene in unseren Wäldern arbeiteten, das war vergessen. In Krisenzeiten und Zeiten der Angst schießen Gerüchte wie Pilze aus dem Boden. Die neuesten Gerüchte besagten, die Russen wären alle Vergewaltiger, sie würden sich nehmen, was ihnen gefiel, und in Panzern ankommen, die so groß waren, dass sie Bäume und Häuser glatt überrollten. Was tun? WEITER »

Rezensionen

Dr. Professor Franz Zebinger, bekannter österreichischer Musiker und Komponist, schreibt:

"Dein Buch ist ein Kompendium einer untergegangenen Welt voller Schönheiten und Härten. Vieles habe ich auch ganz ähnlich wie du erlebt. Auch ich stamme von sogenannten "Keuschlern" (Kleinhäuslern) in einem kleinen Dorf (St. Peter am Ottersbach in der Südsteiermark) mit etwas Grundbesitz an Feldern und Wald und mit allen kleinbäuerlichen Begleiterscheinungen in der Arbeitswelt. Wie euch Kinder hat man auch uns sieben Geschwister bedenkenlos zum Mitarbeiten in der "Wirtschaft" geholt: Heuarbeit, Ernte, Weinlesen, "Heindln" auf dem Rübenacker etc. WEITER »

Pater Anton Fencz SVD, aus Ollersdorf schreibt:

Ein wunderbares Buch! Du hast damit auch meiner Kindheit ein Denkmal gesetzt. Vieles, was Du erzählst, hätte auch ich schreiben können. Ich finde, es ist ein sehr ehrliches Buch und ein faires, auch was Deine persönliche Entwicklung und Deinen Lebensweg betrifft. An manchen Stellen war ich echt emotional berührt, um nicht zu sagen gerührt. Sogar Deine Kuh Schäkel war mir nicht fremd. Bei meinem Großvater hatte ich auch eine Schäkel, die ich hüten musste. WEITER »

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5.0 von 5 Sternen Über die Grenzen, 19. Januar 2012 von Sabine K. - Alle meine Rezensionen ansehen

Rezension bezieht sich auf: Über die Grenzen: Erinnerunge eines Emigranten aus Ungarn (Taschenbuch)

Dieses Buch ist sehr spannend und auch sehr leicht zu lesen. Es ist nicht leicht es wieder aus der Hand zu legen!

Es ist sehr autentisch geschrieben und als Leser befindet man sich mitten drin ! Zeitzeugen konnten die Zeit in Pernau und Bildein bestätigen. Man muß Hr. Koller einfach zu diesem Werk gratulieren!

"Buchkultur" Februar/März, 2012
Beatrice Simonsen

Nicht literarische Finesse sondern unverfälschte Autobiographie kennzeichnet die "Erinnerungen eines Emigranten aus Ungarn". Das Heimatdorf des 1942 geborenen Emmerich Koller lag in Ungarn, wurde aber mehrheitlich von Deutschsprachigen bewohnt. Die ersten Kindheitserinnerungen stammen aus einer entbehrungsreichen Zeit: dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der russischen Besatzung und der nachfolgenden kommunistischen Ära. Dieses von Armut, Arbeit, Religion und Kinderreichtum geprägte bäuerliche Leben schildert Koller mit einem Gerechtigkeitssinn, der sich durch die gesamte Erzählung zieht. WEITER »

Autor

Geboren 1942 in Pernau/Pornóapáti, Ungarn, lebt in Winnetka, einer Vorstadt nördlich von Chicago, USA. 1956 floh die Familie Koller nach Österreich, wo sie zunächst in Oberbildein, Burgenland lebte. Von 1958 bis 1960 besuchte Emmerich Koller das Privatgymnasium Sankt Rupert in Bischofshofen, Salzburg. 1960 wandert er nach Amerika aus. Nach acht Jahren verlässt er die Ordensgemeinschaft und wird Lehrer an einer High School. Er studierte Philosophie am College of Divine Word, Deutsch an der Roosevelt Universität in Chicago, Pädagogik an der National LouisUniversität.

Mehrere Auszeichnungen begleiteten seine 36 Jahre währende Lehrtätigkeit:

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Artikel

Auswandererschicksal
Burgenländische Gemeinschaft, Folge 10/12
Oktober / Dezember 2014, Nr. 432

Pernau, ein hianzisches Dorf, liegt nicht im Burgenland, weil Fremde vor 92 Jahren eine willkürliche Linie durchs Pinkatal zogen und es dann die neue Grenze nannten. Pernau fiel auf die ungarische Seite. Hätte man die Sprache, die Geschichte des Dorfes und die Verbundenhiet zu den Nachbardörfern jenseits der Grenze in Betracht gezogen, dann wäre ich als Burgenländer geboren und meine Familie würde wohl heute noch da leben. Die Dörfer im Pinkaboden formten schon seit jeher eine wirtschafliche, kulturelle, und gesellschaftliche Einheit. Die Verwandtschaften, die durch die Jahrhunderte entstanden, festigten die Zusammnegehörigkeit. Die Koller aus Pernau hatten Verwandte in Deutsch-Schützen, Bildein, Schilding, und Großdorf. Mit dem Trianon Vertrag zuerst und dann erst mit dem Eisernen Vorhang wurde diese Einheit entzwei gerissen. WEITER »

ORF Burgenland Interview mit Emmerich Koller am 18.09.2014

Erlebnisse eines Emigranten
pannonientivi-Ferien Magazin

Der Autor Emmerich Koller schildert in "Über die Grenzen – Erinnerungen eines Emigranten aus Ungarn" die Erlebnisse seiner Familie, die sich den großen Umbrüchen der Zeit stellen muss. Geboren 1942 im ländlichen Ungarn (Pornóapáti/Pernau), nahm Emmerich Kollers Leben mehrere unerwartete Wendungen. WEITER »

Bildein – Das Dorf ohne Grenzen
Burgenlaendische Gemeinschaft 10-12 2011 Nr.420

Im vergangenen Sommer haben meine Familie und ich ein paar Tage in Bildein und Umgebung verbracht und können dafür bürgen, dass nichts an dieser Beschreibung übertrieben ist. Ich möchte meine Leser gern mit diesem schönen Fleck Erde, dem Dorf und den netten Leuten, die da leben, bekannt machen. Zugleich möchte ich auf ein Ereignis in der Geschichte von Bildein hinweisen, das für meine Familie und mich vor 55 Jahren von großer Bedeutung war. WEITER »

Lebensgeschichte: Flüchtling, Auswanderer und Autor
Kurier

Pornóapáti, Bildein,Chicago - Emmerich Koller schreibt über die Nachkriegszeit aus seiner Sicht als Flüchtlingskind. WEITER »

Zusammenfassung—Good Dogs Do Stray: Memoir of an Immigrant from Hungary
(Erschienen Oktober 2009 in der deutschen Zeitung Eintracht in Chicago)

Am 4. November 1956 gerade als die Kirchenglocke von Pernau die Mittagsstunde ankündigt, überschreite ich als erster in meiner Familie den Eisernen Vorhang. Als neugebackener 14-jähriger sehe ich nur das Abenteuer in unserer Flucht in die Freiheit und habe keine Ahnung von der Not, die uns allen bevorsteht. In meinem Buch Good Dogs Do Stray: Memoir of an Immigrant from Hungary (auf deutsch etwa Auch treue Hunde streunen: Erinnerungen eines Auswanderers aus Ungarn) blicke ich nun als erfahrener Mensch auf diese Zeit zurück. Ich beschreibe die unmöglichen Zustände im kommunistischen Ungarn von damals, die uns zur Flucht gezwungen haben und wie es uns danach zuerst in Österreich dann in Amerika erging. Bevor ich aber zu dieser wichtigen Wende in unserem Leben komme, befasse ich mich in der ersten Hälfte meines Buches ganz eingehend mit der Geschichte meines deutsch-ungarischen Dorfes und des Pinkatals, in dem es liegt, und ich beschreibe aufs genaueste das Dorfleben, das meine Geschwister und mich gestaltet und beeinflußt hat. WEITER »

Good Dogs Do Stray avagy a "rendes kutya otthon marad"

Könyvbemutató Koller Imre: Határokon át. Egy magyarországi emigráns ... (facebook)


Lesung am Ratschen, Deutsch-Schützen, 10. September 2014

Interview mit ORF

Lesung am Ratschen, Deutsch-Schützen, 10. September 2014

Lesung am Ratschen, Deutsch-Schützen, 10. September 2014

Klassentreffen der St. Rupertler in Südtirol, September 2014

Lesung im Hianzenverein mit Dr. Dujmovits, Mag. Seel, und Horst Horvath

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